So gibt du dem Fachkräftemangel einen Abschiedskuss

So gibt du dem Fachkräftemangel `nen Abschiedskuss

Gibt es wirklich keinen Weg, dem Fachkräftemangel zu entkommen? Damals hätte ich sicher mit einem klaren „Nein“ geantwortet. Aber das war auch lange bevor ich mir eigentlich mal Gedanken gemacht habe, woran es liegen könnte. Es konnte doch nicht sein, dass niemand Lust auf einen Job im Handwerk hatte. Also suchte ich den Fehler bei mir als Handwerksunternehmer.

Der erste Schritt

Es ist ja schön und gut, wenn ich fleißig Stellenanzeigen ausschreibe. Aber wichtiger ist doch, dass sich tatsächlich auch mal jemand meldet, der sich für einen Job in meinem Handwerksunternehmen interessiert.

Ist mein Unternehmen überhaupt interessant? Wenn nicht, was kann ich ändern, damit sich junge Handwerker bei mir bewerben? Alles Fragen, die mich zur unangenehmen Selbsteinschätzung gezwungen haben. Irgendwann wurde mir klar: Ich muss bei den Leuten anfangen, die schon da sind.

Bei den eigenen Mitarbeitern anfangen.

Damals war ich der Meinung, neue Mitarbeiter würden die Probleme in meinem Handwerksunternehmen lösen. Aber in Wahrheit wäre es so gewesen, dass sie nicht mehr Arbeiten erledigt hätten, als meine anderen Mitarbeiter auch. Sie hätten sich der eingefahrenen Struktur und dem schlechten Betriebsklima untergeordnet. Sprich, sie wären genauso ineffektiv und unstrukturiert zu Werke gegangen, wie meine Mitarbeiter es ihnen zu der Zeit vorgemacht hätten.

Aber ich wollte aus diesem Teufelskreis ausbrechen, weswegen ich meine Mitarbeiter um mich herum versammelte. Wir verbrachten so viel Zeit mit Analysen und Gesprächen, bis wir genug Pläne geschmiedet hatten, wie wir für mehr Eigenverantwortung und letztlich auch mehr Motivation meiner Mitarbeiter sorgen könnten.

Auf die eigenen Mitarbeiter hören

Ich nahm meine Mitarbeiter also mit in die Verantwortung. Sie erzählten mir, wo es hakte und dann suchten wir gemeinsam nach Lösungen. Das war der Punkt, an dem die Checklisten ins Spiel kamen. Als ich meinen Mitarbeitern davon erzählte, konnte ich von ihren Gesichtern ablesen, dass sie hellauf begeistert waren.

Zum einen, weil ich sie und ihre Probleme ernst genommen habe, aber vor allem auch deshalb, weil sie endlich etwas in die Hand bekommen würden, was ihnen die Arbeit auf der Baustelle erleichtert. Und da steckten ja auch ihre Ideen drin. Durch ihren Eifer wurden diese Checklisten nach einem dreiviertel Jahr fertig und dann begann sozusagen das, was die Wende in Sachen Unternehmensausstrahlung darstellen sollte.

Motivierte Mitarbeiter sind das Aushängeschild eines Handwerksunternehmens

Meine Mitarbeiter hatten von jetzt an einen Ordner bei sich, den sie mit voller Eigenverantwortung trugen. Da stand schließlich alles drin, was sie zu selbstständigen Arbeiten auf der Baustelle benötigten. Die neue Effizienz, mit der sie die Projekte in Angriff nehmen konnten, machte sich auch in der Stimmung bemerkbar. Sie lächelten deutlich mehr als vorher, weil alles plötzlich so ungewohnt schnell und ohne nervige Zwischenfälle von statten ging. Das war gut anzusehen und ich dachte mir, wenn das andere sehen, müssen die doch auch merken, dass in meinem Handwerksunternehmen gerne gearbeitet wird. Wobei es durch die neue Organisation, die die Mappen mit sich brachten, mir so vorkam, als wären bereits 2 neue Leute da. Wir haben einfach so viel – in weniger Zeit geschafft. Was sagten meine Mitarbeiter dazu?

Gutes Arbeitsklima spricht sich rum

Sie redeten über die neue „Selbstständigkeit“ wo und wann immer sie konnten. Sie waren mir dankbar, weil sie jetzt auch auf Überstunden und Wochenendarbeit verzichten konnten. Das machte dann auch unter ihren Freunden und Bekannten die Runde. Im Endeffekt war es so, dass ich gar nicht mehr nach neuen Leuten für mein Unternehmen suchen musste, denn jetzt kamen sie auf mich zu. Das war der Verdienst meiner Mitarbeiter und als ich mich dafür bei ihnen bedanken wollte, meinten sie, dass sie sich bei mir bedanken müssen!

Ich habe also gelernt, dass ich erst in meinem Handwerksunternehmen für die nötige Ausstrahlung sorgen muss, bevor ich auch nur daran denken kann, für neue Mitarbeiter in Frage zu kommen. Das ging natürlich nur über die Mitarbeiter, die schon da waren, denn mit ihnen steht und fällt die Stimmung eines Handwerksunternehmens.